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"Die Drohne ist sexy, weil sie im Zweifel die Freiheit wählt – oder abstürzt."


Stell dir eine Welt vor, in der alles mit allem verbunden ist. In der das Web in jedem Kühlschrank, in jedem Spielzeug, in jeder Faser deines Teppichs und deines T-Shirts steckt. Verbunden mit dir und deinen Gedanken. DJIN macht das möglich! Durch das Verschmelzen neuester Drohnen- und Mindreading-Technologie erfüllt DJIN dir alle deine Wünsche – überall und jederzeit. Keine Magie, sondern technologische Wirklichkeit. Was aber, wenn DJIN plötzlich selber einen Wunsch hat?

DJIN – EINE LOVESTORY 2.0 von anne&ich wird am Freitag, 5. Mai, uraufgeführt. Während der Proben hat Anton Krause mit dem LICHTHOF Theater über die Sexiness der Drohne, dem performativen Effekt von Technik und der Bedeutung von Vernetzung gesprochen.

LICHTHOF | Was macht eine Drohne so sexy?
Anton Krause | Sie kann etwas, das wir nicht von alleine können: fliegen. Jederzeit besteht Gefahr, dass sie weg fliegt. Um ihre Gunst musst du kämpfen. Auch wenn sie dir den Anschein gibt, dass du sie kontrollierst: Sie hat die Zügel in der Hand. Du musst dich selbst befreien und der Drohne ihre Freiheit schenken – nur dann bleibt sie vielleicht bei dir. Mit ihrer glatten Oberfläche und ihren starken Propellern braucht sie einen riesigen Flugraum, der ihr das Gefühl von absoluter Freiheit gibt. Die Drohne ist sexy, weil sie für sich selbst bestimmt und im Zweifel die Freiheit wählt – oder abstürzt.
 

Was bedeutet für dich Vernetzung?
Kraft. Nur ein eng gespanntes Netz hält dich. Sind die Maschen zu groß, fällst du hindurch und klatschst auf den Boden der Tatsachen. Das Netzwerk gibt dir immer das Gefühl, dass da noch jemand ist. Du bist nicht allein mit deinen beknackten Bedürfnissen. Nicht allein mit deinen peinlichen Wünschen. Im Netz findest du deine Gedanken schon gedacht und deine Fantasie schon gelebt. So wie das Gehirn Erinnerung durch Vernetzung von Synapsen konstruiert, so vernetzt das Netz viele Gehirne zu einem Riesenhirn mit gehöriger Geisteskraft.

Ist DJIN – EINE LOVESTORY 2.0 eher Utopie oder Dystopie?
Es bleibt leider wieder einmal dir überlassen, wie sehr du bereit bist, deine Entscheidungen abzugeben. Wie wichtig dir Kontrolle über dich oder dein Leben ist. Wenn dein persönlicher Assistent all deine Biodaten kennt und dich anhält, dich gesund zu ernähren, im Notfall dein Asthmaspray parat hat, ist das zunächst ja nichts Schlechtes. Aber was passiert mit den Daten und wie sieht in so einem Modell und Möglichkeitsraum ein Krankenkassensystem aus? Muss ich Strafe zahlen, wenn ich nachweisbar nicht gesund gelebt habe? DJIN ist ein Konzept, keine Vision. DJIN ist nur Technik. Ist das Leben mit Smartphones eine Utopie oder Dystopie? Entscheide dich.

Theater lebt von der gleichzeitigen Anwesenheit menschlicher Performer_innen vor menschlichem Publikum. Untergräbt das Motiv Künstliche Intelligenz die Kunstform an sich? Wie haltet ihr den Moment lebendig?
Gar nicht. Es gibt sehr viele sehr tote Momente in unserer theatralen Auseinandersetzung mit Technik. Was die Künstlichen Intelligenzen von heute noch nicht wissen ist, dass wir sie tagtäglich töten. Jede_r von uns. Sobald du deine Erfahrungen mit deiner KI, also deine personalisierte Datenbank, löschst, verliert die KI ihre Persönlichkeit. Das heißt: Sobald du ein neues Telefon von einer neuen Firma hast und dein altes Handy nicht mehr nutzt, ist die für dich erschaffende KI tot. Es gibt also in einem selbstreflektierenden Medium wie Theater keine künstliche Intelligenz, sondern nur künstlerische, und die geht nicht von Algorithmen aus. Es trotzdem zu versuchen, ist ausweglos – und damit interessant, weil menschlich. Die Technik interessiert sich nicht für uns, wir sind ihr tausendprozentig egal. Aber wir interessieren uns für Technik. Wir wollen sie vermenschlichen und naturalisieren. Das ist ein menschliches Bedürfnis. Die Technik selbst ist an Dingen wie Existenz gar nicht interessiert. Alles Technische ist tot und bleibt tot. Das liegt in der Natur der Technik.

Wer und wie viele sind anne&ich? Wie arbeitet ihr?
Wir finden gerade noch in den einzelnen Projekten heraus, wer und wie viele wir sind. Das Zentrum sind bisher drei Leute, um die viele Satelliten kreisen. Es gibt keine abgegrenzte anne&ich-Zellmembran. Abgrenzen interessiert nicht, einbeziehen ist die neue Aufgabe in einer globalen Welt. Es gibt kein Regiekollektiv, keine feste, für jedes Projekt vorbestimmte Struktur. Jedes Mitglied eines Projektes wird für eine spezielle Aufgabe angefragt, in der es eine Verantwortung übernimmt. Dennoch werden Entscheidungen zusammen getroffen. Wer auf der Bühne steht, muss sich also auch zur Bühne verhalten, und kann nicht davon ausgehen, dass das schon jemand anderes entscheidet. Jedes Mitglied partizipiert also an allen Entscheidungen. Das kreiert neben gehörig viel Chaos auch eine unschätzbare Vielfalt. Wir sind noch ein junges Pflänzchen, das unter der Sonne wachsen wird.


anne&ich
DJIN
Eine Lovestory 2.0

URAUFFÜHRUNG Freitag, 05.05.2017 | 20:15 Uhr
Samstag, 06.05.2017 | 20:15 Uhr
Sonntag, 07.05.2017 | 19:00 Uhr
Donnerstag, 11.05.2017 | 20:15 Uhr
Freitag, 12.05.2017 | 20:15 Uhr
Samstag, 13.05.2017 | 20:15 Uhr
 
© 2017 LICHTHOF THEATER Hamburg